Strombelastbarkeit sicher auslegen mit Wittmann Engineering
Praxisnah erklären wir, wie Leiterbahnen zuverlässig Strom tragen: Breite, Kupferdicke, Temperaturerhöhung, Vias und mehr – verständliche Faustregeln. Jetzt bei Wittmann Engineering entdecken.
Der Moment, wenn eine Leiterbahn durchbrennt
Eine dünne, geschwärzte Spur auf der Platine erzählt eine Geschichte. Die Leiterbahn hat aufgegeben. Sie konnte den Strom nicht mehr tragen. Das passiert häufiger, als Sie denken. Besonders bei ersten Prototypen oder wenn die Entwicklung unter Zeitdruck stand.
Strombelastbarkeit ist kein abstraktes Konzept aus dem Lehrbuch. Es ist der Unterschied zwischen einem funktionierenden Produkt und einem teuren Ausfall. Wenn Sie elektronische Schaltungen entwickeln, müssen Sie wissen, wie viel Strom Ihre Leiterbahnen tatsächlich aushalten. Das gilt für kleine Signalleitungen genauso wie für dicke Versorgungspfade.
In diesem Artikel lernen Sie alles Wichtige zur Strombelastbarkeit. Wir starten bei den Grundlagen und arbeiten uns Schritt für Schritt vor. Am Ende können Sie selbst einschätzen, ob Ihre Leiterbahnen ausreichend dimensioniert sind. Dabei verzichten wir auf komplizierte Formeln. Stattdessen nutzen wir Vergleiche aus dem Alltag und praktische Faustregeln.
Was bedeutet Strombelastbarkeit eigentlich?
Strombelastbarkeit beschreibt, wie viel elektrischer Strom durch eine Leiterbahn fließen darf. Das Wort setzt sich aus zwei Teilen zusammen. Strom ist der Fluss von Elektronen durch einen Leiter. Belastbarkeit gibt die Grenze an, bis zu der das gut geht.
Stellen Sie sich eine Wasserleitung vor. Ein dünnes Rohr kann wenig Wasser transportieren. Ein dickes Rohr schafft viel mehr. Wenn Sie zu viel Wasser durch das dünne Rohr pressen, entsteht Druck. Im schlimmsten Fall platzt die Leitung. Bei elektrischen Leiterbahnen funktioniert das ähnlich. Zu viel Strom erzeugt Wärme. Die Wärme kann die Leiterbahn zerstören.
Die maximale Stromtragfähigkeit einer Leiterbahn hängt von mehreren Faktoren ab. Die wichtigsten sind die Breite der Leiterbahn, die Dicke der Kupferschicht und die erlaubte Temperaturerhöhung. All diese Faktoren wirken zusammen. Keinen können Sie isoliert betrachten.
Das Wichtigste in Kürze
Das Wichtigste in Kürze
- Strombelastbarkeit gibt an, wie viel Strom eine Leiterbahn sicher transportieren kann
- Zu hoher Strom führt zu Überhitzung und kann die Platine beschädigen
- Die Belastbarkeit hängt von Breite, Kupferdicke und Temperatur ab
- Eine richtige Auslegung ist entscheidend für zuverlässige Elektronik
Warum Kupfer Wärme erzeugt
Kupfer ist ein guter Leiter. Aber auch Kupfer hat einen elektrischen Widerstand. Dieser Widerstand ist zwar klein, aber niemals null. Wenn Strom durch den Widerstand fließt, entsteht Wärme. Das nennt man Verlustleistung. Je mehr Strom fließt, desto mehr Wärme entsteht.
Die Formel dahinter ist einfach: Verlustleistung gleich Strom mal Strom mal Widerstand. Das bedeutet: Verdoppeln Sie den Strom, vervierfacht sich die Wärme. Das erklärt, warum die Stromtragfähigkeit so kritisch ist. Ein bisschen zu viel Strom macht die Sache gleich viel heißer.
Denken Sie an einen Föhn. Der Heizdraht glüht, weil viel Strom durchfließt. Bei Leiterbahnen wollen wir genau das verhindern. Die Kupferbahn soll den Strom transportieren, nicht heizen. Daher müssen wir die Erwärmung in Grenzen halten.
Die Rolle der Leiterbahnbreite
Die Breite einer Leiterbahn ist der offensichtlichste Faktor für ihre Strombelastbarkeit. Breitere Leiterbahnen können mehr Strom führen. Das liegt an ihrem größeren Querschnitt. Mehr Material bedeutet weniger Widerstand. Weniger Widerstand bedeutet weniger Erwärmung bei gleichem Strom.
In der Praxis arbeiten Designer oft mit Standardbreiten. Für Signalleitungen reichen meist 0,15 bis 0,25 Millimeter. Versorgungsleitungen brauchen deutlich mehr. Bei einem Ampere können schon 0,5 Millimeter knapp werden. Bei mehreren Ampere sind schnell einige Millimeter nötig.
Doch Breite allein reicht nicht. Eine sehr breite Leiterbahn auf einer dünnen Kupferschicht ist nicht automatisch besser als eine schmälere auf dicker Kupferschicht. Beide Faktoren müssen zusammenpassen. Deshalb betrachten wir als Nächstes die Kupferdicke.
Praktischer Hinweis:
Eine Verdopplung der Leiterbahnbreite erhöht die Strombelastbarkeit nicht einfach um das Doppelte. Der Zusammenhang ist komplexer. Trotzdem gilt: Breiter ist grundsätzlich besser für höhere Ströme.
Kupferdicke verstehen
Die Kupferdicke auf einer Leiterplatte wird oft in Unzen pro Quadratfuß angegeben. Das klingt ungewöhnlich, ist aber historisch gewachsen. Eine Unze Kupfer entspricht etwa 35 Mikrometer Dicke. Zwei Unzen sind etwa 70 Mikrometer.
Standard-Leiterplatten haben meist eine Unze Kupfer. Das reicht für die meisten Signalverbindungen. Für Leistungselektronik brauchen Sie mehr. Zwei oder drei Unzen sind bei höheren Strömen üblich. Manche Spezialanwendungen nutzen sogar noch dickere Kupferschichten.
Die Kupferstärke beeinflusst den Querschnitt der Leiterbahn direkt. Ein doppelt so dicker Kupferbelag verdoppelt die Querschnittsfläche. Das halbiert ungefähr den Widerstand. Dadurch sinkt die Erwärmung erheblich. Oder Sie können bei gleicher Erwärmung mehr Strom führen.
Bei der Auswahl der Kupferdicke müssen Sie aber auch an die Fertigung denken. Dickeres Kupfer ist schwieriger zu ätzen. Feine Strukturen werden unschärfer. Die Mindestbreiten und Abstände müssen größer sein. Das Power-Layout für Leistungspfade erfordert daher oft einen Kompromiss zwischen Stromtragfähigkeit und Platzierung feiner Strukturen.
Temperaturerhöhung als Grenzwert
Wie warm darf eine Leiterbahn werden? Das ist die zentrale Frage bei der Auslegung. Die Antwort hängt von Ihrer Anwendung ab. Üblicherweise rechnet man mit einer erlaubten Temperaturerhöhung gegenüber der Umgebung.
Gängige Werte sind 10 Kelvin, 20 Kelvin oder 30 Kelvin Temperaturanstieg. Je niedriger der Wert, desto konservativer die Auslegung. Bei 10 Kelvin Erhöhung bleiben Sie auf der sicheren Seite. Bei 30 Kelvin nutzen Sie die Leiterbahn stärker aus.
Warum ist die Temperatur so wichtig? Weil hohe Temperaturen mehrere Probleme verursachen:
- Das Leiterplattenmaterial kann sich zersetzen (typisch ab 130–170 °C)
- Lötstellen werden mechanisch belastet durch unterschiedliche Ausdehnung
- Benachbarte Bauteile werden mit aufgeheizt
- Die Lebensdauer der Platine verkürzt sich
- Bei manchen Bauteilen verschlechtern sich die elektrischen Eigenschaften
Die Umgebungstemperatur spielt ebenfalls eine Rolle. Wenn Ihre Elektronik in einem heißen Gehäuse arbeitet, bleibt weniger Spielraum für zusätzliche Erwärmung. Eine Platine in einem gut belüfteten Schaltschrank bei 25 °C kann mehr vertragen als eine in einem geschlossenen Gehäuse bei 60 °C.
Innenlage oder Außenlage – ein großer Unterschied
Moderne Leiterplatten bestehen oft aus mehreren Kupferschichten. Die äußeren Lagen sind direkt an der Oberfläche. Die inneren Lagen sind im Material eingebettet. Das macht einen erheblichen Unterschied für die Wärmeabfuhr.
Außenlagen können ihre Wärme besser abgeben. Die Luft um die Platine nimmt die Wärme auf. Bei Innenlagen ist das schwieriger. Sie sind von Isoliermaterial umgeben. Das Basismaterial leitet Wärme schlechter als Kupfer. Daher wird eine Innenlage bei gleichem Strom wärmer.
In Zahlen bedeutet das: Eine Leiterbahn auf einer Innenlage trägt etwa 50 Prozent weniger Strom als auf einer Außenlage. Das gilt bei gleichen Abmessungen und gleicher erlaubter Temperaturerhöhung. Diese Faustformel sollten Sie kennen, wenn Sie Versorgungsleitungen routen.
Bei komplexen Multilayer-Designs verteilen sich Stromversorgung und Masse oft auf Innenlagen. Dann müssen Sie die Leiterbahnen entsprechend breiter machen. Oder Sie führen besonders stromstarke Pfade bewusst auf den Außenlagen.
Durchkontaktierungen richtig einsetzen
Durchkontaktierungen, englisch Vias genannt, verbinden die verschiedenen Lagen einer Leiterplatte. Sie bestehen aus kleinen Bohrlöchern, deren Wandung mit Kupfer beschichtet ist. Auch Vias haben eine Strombelastbarkeit.
Ein einzelnes Via kann deutlich weniger Strom tragen als eine breite Leiterbahn. Der Grund liegt in der dünnen Kupferbeschichtung der Bohrwand. Typisch sind hier nur 20 bis 25 Mikrometer Kupfer. Das ist weniger als die Foliendicke auf den Lagen.
Die Lösung heißt Via-Stitching. Dabei werden mehrere Vias parallel geschaltet. Fünf Vias tragen etwa fünfmal so viel Strom wie eines. Diese Technik sehen Sie bei jedem professionellen Power-Layout. Neben Versorgungsleitungen reihen sich oft ganze Felder von Vias auf.
Faustregeln für Vias bei Stromführung
- Standard-Vias (0,3 mm Bohrung): etwa 0,5 bis 1 Ampere pro Via
- Für höhere Ströme: mehrere Vias parallel verwenden
- Vias nah beieinander platzieren für gleichmäßige Stromverteilung
- Thermische Vias unter Leistungsbauteilen helfen bei der Wärmeabfuhr
Dauerstrom und Impulsstrom unterscheiden
Nicht jeder Strom fließt dauerhaft. Manche Lasten ziehen nur kurzzeitig hohe Ströme. Ein Motor braucht beim Anlaufen mehr als im Betrieb. Eine LED-Blitzschaltung zieht nur für Millisekunden viel Strom. Das hat Auswirkungen auf die Auslegung.
Kurze Stromspitzen erwärmen die Leiterbahn weniger als ein Dauerstrom gleicher Höhe. Das Kupfer hat eine gewisse Wärmekapazität. Es braucht Zeit, bis die Wärme die Temperatur spürbar erhöht. Bei sehr kurzen Impulsen verteilt sich die Energie, bevor kritische Temperaturen entstehen.
Für reine Dauerbelastung müssen Sie konservativ auslegen. Für kurzzeitige Spitzen dürfen Sie etwas knapper dimensionieren. Allerdings sollten Sie dabei vorsichtig sein. Impulse, die regelmäßig wiederkehren, summieren sich. Dann nähern Sie sich wieder der Dauerbelastung an.
In der Praxis hilft eine einfache Frage: Wie lange fließt der Maximalstrom, und wie oft? Ein einmaliger Einschaltvorgang ist weniger kritisch als zyklische Belastung im Sekundentakt. Im Zweifel ist eine großzügigere Auslegung immer besser.
Standards und Normen als Orientierung
Zur Berechnung der Strombelastbarkeit gibt es etablierte Standards. Der bekannteste ist IPC-2221. Diese Norm beschreibt allgemeine Designregeln für Leiterplatten. Ein Teil davon behandelt die Stromtragfähigkeit von Leiterbahnen.
Die IPC-2221 enthält Diagramme und Formeln. Sie zeigen den Zusammenhang zwischen Leiterbahnquerschnitt, Temperaturerhöhung und Strombelastbarkeit. Diese Diagramme sind seit Jahrzehnten im Einsatz. Sie basieren auf experimentellen Daten aus den 1950er Jahren.
Neuere Untersuchungen zeigen, dass die alten Daten teilweise sehr konservativ sind. Moderne Leiterplatten können oft mehr als die IPC-2221 vorgibt. Trotzdem bleibt die Norm eine gute Grundlage. Wenn Sie nach IPC-2221 auslegen, sind Sie auf der sicheren Seite.
Neben der IPC gibt es Software-Tools zur Berechnung. Viele PCB-Design-Programme haben entsprechende Rechner eingebaut. Auch kostenlose Online-Rechner sind verfügbar. Sie geben Leiterbahnbreite, Kupferdicke und erlaubte Temperaturerhöhung ein. Das Tool berechnet den maximalen Strom.
Praktisches Beispiel: Eine Versorgungsleitung auslegen
Schauen wir uns ein konkretes Beispiel an. Sie entwickeln eine Schaltung mit einem Spannungsregler. Der Regler liefert 3,3 Volt bei maximal 2 Ampere. Die Leiterbahn vom Regler zur Last muss diesen Strom sicher führen.
Schritt 1: Ausgangssituation klären
Ihre Leiterplatte hat Standard-Kupfer von einer Unze, also 35 Mikrometer. Die Versorgung soll auf der Außenlage geführt werden. Das Gerät arbeitet bei Raumtemperatur in einem belüfteten Gehäuse. Sie wählen eine erlaubte Temperaturerhöhung von 20 Kelvin.
Schritt 2: Strombelastbarkeit ermitteln
Ein Blick in die IPC-2221-Diagramme oder ein Online-Rechner zeigt: Für 2 Ampere bei 20 Kelvin Temperaturerhöhung und 35 Mikrometer Kupfer brauchen Sie etwa 1 Millimeter Leiterbahnbreite auf der Außenlage. Das ist ein gut handhabbarer Wert.
Schritt 3: Sicherheitsmarge einplanen
Der Regler kann 2 Ampere liefern. Aber fließen immer 2 Ampere? Vielleicht sind es im Normalbetrieb nur 1,5 Ampere. Trotzdem sollten Sie für den Maximalfall auslegen. Besser noch: Geben Sie etwas Reserve dazu. Statt 1 Millimeter nehmen Sie 1,2 oder 1,5 Millimeter.
Schritt 4: Vias nicht vergessen
Wenn die Leiterbahn die Lage wechseln muss, brauchen Sie Vias. Bei 2 Ampere sollten Sie mindestens drei Standard-Vias verwenden. Besser sind fünf. Platzieren Sie diese nahe beieinander und möglichst am Anfang und Ende der Lagenverbindung.
Schritt 5: Gesamtbild prüfen
Betrachten Sie den kompletten Strompfad. Vom Spannungsregler über alle Leiterbahnabschnitte und Vias bis zur Last. Jeder Abschnitt muss den vollen Strom tragen können. Eine Engstelle irgendwo auf dem Weg ist ein Schwachpunkt.
Häufige Fehler bei der Auslegung
Bestimmte Fehler sehen wir bei Wittmann Engineering immer wieder. Wenn Sie diese kennen, können Sie sie vermeiden. Die Strombelastbarkeit richtig auszulegen ist keine Raketenwissenschaft. Aber einige Fallstricke gibt es trotzdem.
- Engstellen übersehen: Die Hauptleitung ist breit genug. Aber an einem Bauteil-Pad wird sie schmaler. Diese Engstelle begrenzt den Strom für den ganzen Pfad.
- Vias vergessen: Die Leiterbahnen sind richtig dimensioniert. Aber der Lagenwechsel erfolgt über ein einzelnes kleines Via. Das wird zum thermischen Hotspot.
- Nur den Normalfall betrachten: Im Test läuft alles super. Aber unter Volllast oder bei hoher Umgebungstemperatur versagt die Schaltung.
- Innenlage wie Außenlage behandeln: Die gleiche Leiterbahnbreite auf einer Innenlage trägt deutlich weniger Strom. Das wird leicht übersehen.
- Toleranzen ignorieren: Die Fertigung hat Streuungen. Die Kupferdicke und Leiterbahnbreite können vom Sollwert abweichen. Bauen Sie Reserven ein.
Ein weiterer Fehler betrifft die Dokumentation. Wer seine Auslegung nicht festhält, kann später nicht nachvollziehen, warum bestimmte Breiten gewählt wurden. Bei einem Redesign fehlt dann die Grundlage. Notieren Sie Ihre Berechnungen und Annahmen.
Zusammenhang mit dem Gesamtkonzept
Die Stromtragfähigkeit steht nicht allein. Sie ist Teil des gesamten Power-Layouts Ihrer Leiterplatte. Gute Leistungsversorgung erfordert ein durchdachtes Konzept. Leiterbahnbreiten sind nur ein Aspekt davon.
Kupferflächen spielen eine wichtige Rolle. Große Kupferflächen für Masse und Versorgung verteilen den Strom auf viele Pfade. Das reduziert die Belastung einzelner Leiterbahnen. Gleichzeitig verbessern sie die Wärmeverteilung. Hotspots werden vermieden.
Das Wärmemanagement ist eng verknüpft. Bauteile wie Spannungsregler oder Leistungstransistoren erzeugen selbst Wärme. Diese Wärme muss abgeführt werden. Thermische Vias unter den Bauteilen leiten die Wärme auf Innenlagen oder zur Gegenseite. Von dort kann sie abstrahlen oder an einen Kühlkörper übergehen.
Auch die EMV-Eigenschaften hängen zusammen. Niederohmige Versorgungspfade mit geringer Induktivität reduzieren Störungen. Wenn Ströme kurze Wege auf breiten Bahnen nehmen, entstehen weniger Störaussendungen. Das ist besonders bei schnellen Schaltvorgängen wichtig.
Werkzeuge und Hilfsmittel
Zur Berechnung der Strombelastbarkeit brauchen Sie keine teure Software. Für den Anfang reichen kostenlose Online-Rechner völlig aus. Sie finden diese unter Begriffen wie „PCB trace width calculator“ oder „Leiterbahnbreite Rechner“.
Bei professionellen PCB-Design-Tools ist die Berechnung oft integriert. Altium Designer, KiCad und andere Programme haben entsprechende Funktionen. Manche prüfen die Strombelastbarkeit sogar automatisch beim Design Rule Check.
Für besonders kritische Anwendungen gibt es Simulationssoftware. Diese berechnet die Temperaturverteilung auf der gesamten Platine. Sie berücksichtigt Wärmequellen, Kupferverteilung und Kühlbedingungen. Das ist aufwändiger, liefert aber genauere Ergebnisse.
| Werkzeug | Anwendung | Komplexität |
|---|---|---|
| Online-Rechner | Schnelle Abschätzung einzelner Leiterbahnen | Niedrig |
| IPC-2221-Diagramme | Manuelle Bestimmung nach Norm | Niedrig |
| EDA-Tool-Rechner | Integration ins Design | Mittel |
| Thermosimulation | Gesamthafte Analyse der Platine | Hoch |
Wann brauchen Sie Unterstützung?
Nicht jede Strombelastbarkeit ist kritisch. Bei kleinen Signalströmen im Milliampere-Bereich reichen Standard-Leiterbahnbreiten fast immer. Die Herausforderung beginnt bei höheren Strömen und beengten Platzverhältnissen.
Professionelle Unterstützung ist sinnvoll, wenn mehrere Faktoren zusammenkommen. Hohe Ströme über einem Ampere. Begrenzte Leiterbahnbreiten durch enge Bauteilplatzierung. Hohe Umgebungstemperaturen. Mehrlagen-Designs mit stromführenden Innenlagen. Sicherheitskritische Anwendungen, bei denen Ausfälle nicht tolerierbar sind.
Bei Wittmann Engineering prüfen wir das Power-Layout als Teil jedes Entwicklungsprojekts. Die Auslegung der Stromtragfähigkeit gehört zu unseren Standardleistungen. Wir berechnen Leiterbahnbreiten, definieren Via-Strukturen und simulieren bei Bedarf die Temperaturverteilung. So entstehen zuverlässige Designs, die auch unter Volllast funktionieren.
Checkliste für Ihre eigene Auslegung
Zum Abschluss eine praktische Übersicht. Nutzen Sie diese Liste bei Ihrem nächsten Design. Sie hilft, die wichtigsten Punkte zur Strombelastbarkeit nicht zu vergessen.
Checkliste Strombelastbarkeit
- Maximale Stromaufnahme jeder Versorgungsleitung ermitteln
- Kupferdicke der Leiterplatte festlegen (Standard: 35 µm / 1 oz)
- Erlaubte Temperaturerhöhung definieren (typisch: 10–20 K)
- Position prüfen: Außenlage oder Innenlage?
- Leiterbahnbreite berechnen oder aus Tabellen ablesen
- Sicherheitsmarge von mindestens 20 Prozent einplanen
- Engstellen im Verlauf identifizieren und eliminieren
- Ausreichend Vias bei Lagenwechseln vorsehen
- Umgebungstemperatur im Einsatz berücksichtigen
- Berechnungen dokumentieren für spätere Nachvollziehbarkeit
Zusammenfassung: Die wichtigsten Punkte
Strombelastbarkeit ist ein grundlegendes Thema in der Elektronikentwicklung. Sie entscheidet darüber, ob Ihre Schaltung zuverlässig arbeitet oder thermische Probleme bekommt. Mit dem richtigen Wissen ist die Auslegung keine Herausforderung.
Die fünf wichtigsten Erkenntnisse
- Breite und Dicke bestimmen die Kapazität: Leiterbahnquerschnitt ist der Schlüssel. Breiter und dicker bedeutet mehr Stromtragfähigkeit.
- Temperatur ist das Kriterium: Nicht der Strom an sich ist das Problem, sondern die dadurch entstehende Wärme. Die erlaubte Temperaturerhöhung begrenzt den Strom.
- Innenlagen brauchen mehr: Leiterbahnen auf Innenlagen können weniger Strom führen als auf Außenlagen. Rechnen Sie mit etwa der Hälfte.
- Vias nicht vergessen: Lagenwechsel brauchen ausreichend Vias. Via-Stitching ist bei höheren Strömen Pflicht.
- Den ganzen Pfad betrachten: Eine Kette ist so stark wie ihr schwächstes Glied. Jede Engstelle begrenzt den Strom für den gesamten Pfad.
Nächste Schritte für Einsteiger
Wenn Sie sich weiter mit dem Thema beschäftigen möchten, empfehlen wir folgende Schritte. Laden Sie die IPC-2221-Diagramme herunter und machen Sie sich damit vertraut. Probieren Sie einen Online-Rechner für Leiterbahnbreiten aus. Schauen Sie sich bestehende Designs an und analysieren Sie, wie dort Versorgungsleitungen geführt sind.
Die Themen Wärmemanagement und EMV-gerechtes Design hängen eng mit der Strombelastbarkeit zusammen. Je mehr Sie über diese Bereiche wissen, desto besser werden Ihre Layouts. Das Gesamtbild von Stromführung, Wärmeabfuhr und elektromagnetischer Verträglichkeit macht ein professionelles Design aus.
Häufig gestellte Fragen
Wie breit muss eine Leiterbahn für 1 Ampere sein?
Bei Standard-Kupfer von 35 Mikrometer auf einer Außenlage brauchen Sie etwa 0,5 Millimeter Breite für 1 Ampere. Das gilt bei einer erlaubten Temperaturerhöhung von 20 Kelvin. Auf einer Innenlage sollten Sie etwa das Doppelte vorsehen.
Kann ich Leiterbahnen auf verschiedenen Lagen parallelschalten?
Ja, das ist eine gängige Technik bei hohen Strömen. Wenn Sie die gleiche Verbindung auf mehreren Lagen führen, verteilt sich der Strom. Wichtig ist die Verbindung durch ausreichend viele Vias. Die Gesamtbelastbarkeit addiert sich dabei näherungsweise.
Was passiert, wenn ich die Strombelastbarkeit überschreite?
Die Leiterbahn wird heißer als geplant. Bei leichter Überlastung verkürzt sich die Lebensdauer. Bei starker Überlastung kann die Leiterbahn durchbrennen. Das Basismaterial verfärbt sich, delaminiert oder fängt im Extremfall an zu brennen.
Gilt die Strombelastbarkeit auch für Kupferflächen?
Kupferflächen verteilen den Strom auf viele Pfade. Dadurch ist die Belastung pro Flächeneinheit meist geringer. Aber auch Kupferflächen haben Grenzen. Besonders Engstellen, wo der Strom gebündelt fließen muss, können kritisch werden.
Wie beeinflusst die Lötstopplacke die Strombelastbarkeit?
Die Lötstopplack-Schicht isoliert thermisch leicht. Leiterbahnen unter Lötstopplack geben Wärme etwas schlechter ab als blanke Kupferbahnen. Der Effekt ist aber gering. In den meisten Berechnungen wird er nicht separat berücksichtigt.
Unterstützung durch Experten
Die korrekte Auslegung der Strombelastbarkeit ist ein wichtiger Baustein für zuverlässige Elektronik. Bei einfachen Designs schaffen Sie das mit den hier vorgestellten Grundlagen selbst. Bei komplexen Projekten mit hohen Anforderungen lohnt sich professionelle Unterstützung.
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